Solidarität

SOLDISK: Solidaritätsdiskurse in Krisen - Mesoebene: die soziale Organisation von Solidarität

2019-2021
Prof. Dr. Michael Corsten, Patrick Kahle
Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur, VolkswagenStiftung

Analyse und Erklärung von Solidaritätsvorstellungen in Migrationkontexten

Das Verbundprojekt

Welche Vorstellungen haben politische Entscheidungsträger, aber auch die sozialen Akteure von Solidarität? Lassen sich in der Kommunikation über Migration und Flucht auf politischer, sozialer und individueller Ebene Muster erkennen, die entweder auf Solidarisierung oder Entsolidarisierung hinweisen? Werden Solidaritätsdiskurse vielfältiger? Wie belastbar ist das Solidargefüge und wie könnte eine Kommunikationsstrategie aussehen, die Entsolidarisierungseffekte verringert? Wie korrelieren Solidaritätsdiskurse auf politischer Ebene mit Diskursen auf individueller oder sozialer Ebene?

Diesen und ähnlichen Fragen geht der interdisziplinäre Forschungsverbund der Universität Hildesheim nach. In vier Teilprojekten kooperieren Wissenschaftlerinnen des Instituts für Sozialwissenschaften aus den Fächern Politikwissenschaft und Soziologie und des Instituts für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie und verfolgen dabei einen Mehrebenenansatz: Die Mikroebene (Leitung: Prof. Kneuer) befasst sich mit Online- und Offline-Kommunikation von BürgerInnen; die Mesoeben (Leitung: Prof. Corsten) mit der Kommunikation gesellschaftlich organisierter Akteure und die Makro-Ebene (Leitung: Prof. Schammann) mit der Kommunikation politischer Entscheidungsträgerinnen. Die diskursanalytische Untersuchung auf den drei Ebenen wird mit Hilfe von Instrumenten der Corpuslinguistik umgesetzt (Leitung: Prof. Heid).

Das Forschungsprojekt erstreckt sich über drei Jahre und wird vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur und der VolkswagenStiftung gefördert.

Teilprojekt 3: Die Makro-Ebene

Das soziologische Teilprojekt beschäftigt sich mit der Frage, welche Rolle Solidarität für Organisationen im lokalen Kontext einer Stadt oder einer Kommune spielen. Die aktuellen Diver-genzen in den gesellschaftlich debattierten Solidaritätsvorstellungen zeigen sich besonders in ihren unterschiedlichen lokalen Ausprägungen, etwa beim Vergleich ost- und westdeutscher Regionen. Ziel ist es herauszufinden, ob, und wenn ja, welche Einflüsse von der erhöhten Zu-wanderung in den Jahren 2015 und 2016 auf den Zusammenhalt auf lokaler Ebene ausge-gangen sind. Dabei setzen wir an folgenden Fragen zu Migration und Flucht an: Wie gelingt in Ihrem Kreis bzw. in Ihrer Stadt die Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Organisationen bezüglich des Themas Zuwanderung? Welche Veränderungen gab es dabei in den vergangenen Jahren? Gab oder gibt es Akteure, die sich gegen Zuwanderung engagiert haben? Gibt es Unterschie-de zu anderen Kreisen und wenn ja, worauf führen Sie diese zurück? Wie denken Menschen in Ihrer Region und in Ihrer Organisation allgemein über gesellschaftlichen Zusammenhalt? Wie und in welchem Ausmaß beziehen sie sich dabei auf nationale und globale Perspektiven. Zeigen sich dabei Dynamiken des Auflebens und Abebbens von Solidarität und Engagement in der Zeit? Die Untersuchung der Vorstellungen verschiedener Akteursgruppen zielt auf die Frage nach der Verbundenheit, dem Wir-Gefühl in einer lokalen Gesellschaft. Was hält die Gesellschaft vor Ort in Form von Engagement „zusammen“, was „treibt sie auseinander“?. Auch im lokalen Kontext agieren verschiedene Gruppen in einem Ringen um die „richtige“ Haltung zum Prob-lemhorizont von Flucht und Migration. Dadurch kann das Teilprojekt zeigen, wie die lokale Öffentlichkeit auf die pluralisierten und miteinander konfligierenden Perspektiven der Solidarität reagiert und wie und wodurch sich auch in diesen „kleinen Welten“ Stimmungen der Solidarisierung oder Entsolidarisierung herausbilden, wie sie aufleben und abebben.